Blitzgedanken – KW16 2026

Erstellt: 15. April 2026
  • KI ist überall. Firmen nutzen sie, die öffentliche Hand nutzt sie, mein Auto nutzt sie, ja sogar in Zahnbürsten soll sie schon vorkommen. Man kann sich ihr nicht mehr entziehen. Alles ist voller KI. Ich bin mir mittlerweile schon fast nicht mehr sicher, ob die Menschen, denen ich auf der Strasse begegne, überhaupt noch echt sind. Vielleicht sind das von einer KI erschaffene Hologramme, die auf ihre Umgebung reagieren und so tun, als wären sie Teil der Gesellschaft. Neuerdings gibt es Personalvermittlungsbüros, die KI-generierte Telefonisten basteln und sie bei Firmen anrufen lassen, um abzuklären, ob diese Verstärkung brauchen. Irgendwie verstört mich das. Firmen, die Ihr Geld mit Dienstleistungen verdienen, lassen unausgereifte und dümmlich agierende KI-Bots bei ihren potenziellen Kunden anrufen, mit der Annahme, man könne so vielleicht eine Geschäftsbeziehung aufbauen. Das schafft so richtig Vertrauen, wenn man am Hörer von einem Roboter blöd angemacht wird. Wie ich mich auf die Zukunft freue. Bei meinem Telefon-Abo-Anbieter kann man nur noch mit einem KI-Mitarbeiter chatten. Er hat sogar einen Namen. Er nennt sich Sam und behauptet von sich, er sei der digitale Assistent meines Abo-Anbieters. Als dieser Anbieter neulich seine App geupdatet hat, anfänglich nichts mehr ging und als es wieder ging, ich feststellen musste, dass der Dienst massiv an Nutzerfreundlichkeit eingebüsst hatte, da wollte ich nachfragen, ob das irgendwann, irgendwie wieder besser werde. Also fragte ich Sam. Und Sam antwortete. Weil ich mit Sams Antwort nicht zufrieden war, versuchte ich mein Anliegen zu präzisieren. Doch egal, was ich schrieb und wie ich es schrieb, es tat Sam lediglich leid, dass ich unzufrieden sei. Mittlerweile bin ich nicht mehr nur mit dem Update unzufrieden. Vielleicht muss ich aber auch mich hinterfragen. Vielleicht bin ich zu fordernd. Vielleicht darf ich nicht mehr den Anspruch haben, so bedient zu werden, wie das früher der Fall gewesen ist. Ich muss vielleicht etwas nachsichtiger sein mit diesen KI-Dingern. Die sind ja noch jung, quasi Kinder. Mit Kindern muss man Geduld haben. Ich frage mich nur, ob meine Kinder jemals so begriffsstutzig und einfältig waren wie diese KI-Nichtsbringer. Vielleicht sollte man diese Technologie aber auch erst auf Menschen loslassen, wenn sie mehr hilft als verärgert. Als das Auto entwickelt wurde, hat man es von Anfang an mit Rädern ausgeliefert – soweit ich weiss.

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    Autor

    Guido Redetnurmitmenschen


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