Nidwalden und sein Wald
Wie der Thurgau von der Thur, der Aargau von der Aare wird der Name Nidwalden vom Wald abgeleitet. Das Gleiche gilt für den Nachbarn Obwalden. Die Mehrzahl «Walden» in den beiden Kantonsnamen hat ihren Ursprung in der einstigen Bezeichnung «Unterwalden». So entstanden die alten Namen Unterwalden ob dem Kernwald und Unterwalden nid dem Kernwald. In diesen Namen sind das Mehrzahlwort Walden und das Einzelwort Wald vereinigt.
Der Begriff Wald im Kantonsnamen verpflichtet. Heute nimmt der Wald rund einen Drittel der Fläche Nidwaldens für sich in Anspruch. Nidwalden ist damit im nationalen Vergleich in guter Gesellschaft. 32 Prozent der Schweizer Landesfläche sind mit Wald bedeckt. Seit über 150 Jahren nimmt die Waldfläche in der Schweiz zu. Auch im Kanton Nidwalden. Die Waldfläche ist rund 8000 Hektar gross, was einer Fläche von rund 9330 Fussballfeldern entspricht. In den Nidwaldner Wäldern wachsen täglich rund 100 Kubikmeter Holz nach. Dadurch entsteht ein durchschnittlicher Holzvorrat von zirka 2.8 Millionen Kubikmeter.
Vom Feind zum Freund
Die Wichtigkeit und Bedeutung des Waldes war den Nidwaldner Waldbesitzern nicht immer in einem gleich grossen Mass bewusst. Es gab eine Zeit, da war der Wald ein Feind der Menschen. In dieser Zeit bestand die Hauptarbeit der Bevölkerung im «Reuten und Schwenden». Die Enge des Tales trieb die Ahnen dazu, alles zum Anbau geeignete Land zu roden. Wo immer der Berg eine weniger steile Schulter zeigte, wurde gereutet. Gar an den Ruin brachte der damalige Obervogt Joseph Maria Bünter (1808–1892) die Korporation Büren ob dem Bach. Für den Verbau der Engelbergeraa zwischen Wolfenschiessen und Dallenwil liess er Mitte des 19. Jahrhunderts aus den Waldungen dieser Korporation Unmengen an Holz schlagen. Diese Übernutzung wurde zum Weckruf, mehr Sorge zum Wald zu tragen. Schritt für Schritt erlangte der Wald für Nidwalden eine sehr grosse Bedeutung. Sei es als natürlicher Schutzschild gegen Naturgefahren wie Steinschlag und Lawinen, als Lebensraum für Biodiversität, als Holzquelle für die lokale Wirtschaft und als wertvoller Ort für Erholung und Freizeit. Und nicht zuletzt ist der Wald ein Rückzugsort für Tiere.
Nidwaldens Lebensversicherung
Da sich ein Grossteil der Nidwaldner Waldungen in steilen und oft auch nicht zugänglichen Gebieten befindet, übernimmt der Wald die sehr grosse Aufgabe, Siedlungen und Infrastrukturen vor Naturgefahren zu schützen. Die Sicherung der Infrastrukturen vor Steinschlag, Rutschungen und Lawinen wird durch eine langfristige Bewirtschaftung erreicht. Die im Kanton Nidwalden ergriffenen Massnahmen führen dazu, dass sich der Wald klimastabiler und vielfältiger entwickeln kann. Bereits heute zeichnet sich ab, dass dank der Massnahmen der Wald widerstandsfähiger gegen Klimaveränderungen geworden ist. Kurz: Für die Bevölkerung von Nidwalden ist der Wald eine natürliche Lebensversicherung.
Der Wald ist jedoch noch weit mehr als eine Lebensversicherung. Für viele Menschen ist er längst zu einem Ort geworden, wo man zur Ruhe kommen kann. Er steht für Stille und unberührte Natur. Das bewusste Erleben der Natur ist wieder in. Das Waldbaden ist im 21. Jahrhundert eine beliebte Therapieform, die man in Japan sogar auf Krankenschein verschrieben bekommt. Dabei machen die Bäume absolut kein Aufheben rund um ihre Spezies. Sie stehen einfach da. Die einen imposant, die anderen knorrig, wild. Sie begleiten uns mit ihrem Wesen still und unauffällig durch das Leben. Neben dem Wald gibt es viele Arten, Holz zu erleben. Wohl am meisten bekannt ist das wärmende Holzfeuer. Der Klang eines Alphorns kann die Menschen ebenso verzaubern, wie eine aus Holz erbaute Hütte Geborgenheit ausstrahlt. Nicht unbedingt neu ist, dass sich Bäume und ihr Holz wirkungsvoll auf die Gesundheit der Menschen auswirken können. Gaben die Menschen in früheren Zeiten das vorhandene Wissen von den heilenden Wirkungen verschiedener Bäume von Generation zu Generation weiter, wird dieses Wissen heute dank wissenschaftlicher Studien nicht mehr einfach als Hokuspokus abgetan. Holz richtig eingesetzt, ist eine wahre Tankstelle an Lebenskraft und Energie für die Menschen. Der im Herbst 2025 neu gegründete Verein «Nidwaldner Holz» hat sich zum Ziel gesetzt, dem Wald und seinem wertvollen Rohstoff Holz neue Impulse zu geben.
Verein «Nidwaldner Holz»
In seinen Statuten hat der Verein «Nidwaldner Holz» die Förderung der Wertschätzung des Nidwaldner Waldes, die Vermarktung von Nidwaldner Holz und dessen Nutzung insbesondere im Kanton Nidwalden stipuliert. Diese Ziele will der Verein erreichen:
– durch Marketingmassnahmen und Werbung.
– durch Austausch von Erfahrungen.
– durch Interessenvertretung und Eingaben bei Behörden und in der Politik.
– durch Aus- und Weiterbildung.
– durch Förderung innovativer einheimischer Holzverwendung.
– durch Förderung zur Nutzung und Verarbeitung von Holz aus Nidwalden.
Wertschöpfung erhöhen
Geht es um die Verwendung von Schweizer Holz, existieren lediglich national erhobene Zahlen. Gleiches Zahlenmaterial zu den einzelnen Kantonen gibt es nicht. Von den rund fünf Millionen Kubikmeter in der Schweiz geernteten Stammholz werden 48 Prozent Stammholzes für die Weiterverarbeitung für den Bau und Möbel verwendet. 41 Prozent entfallen auf den Bereich Energieholz. Holz also, das fürs Heizen verwendet wird. Die restlichen elf Prozent gehören dem Bereich Industrieholz an, welches unter anderem für die Produktion von Spanplatten benötigt wird.
Nidwalden hat diesbezüglich Aufholbedarf. Von dem im Kanton jährlich eingeschlagenen Rundholz in der Grössenordnung von 28’000 Kubikmeter werden über 20’000 Kubikmeter zu Holzschnitzeln verarbeitet oder gar exportiert. Nur ein Bruchteil bleibt im eigenen Kanton, womit ihm Jahr für Jahr ein grosses Stück Wertschöpfung verloren geht. Der Verein «Nidwaldner Holz» will dieses Ungleichgewicht ändern und die bis anhin verlorene Wertschöpfung wieder in den eigenen Kanton zurückholen. Der Verein ist überzeugt, dass jeder lokal verarbeitete Kubikmeter Holz Einkommen sowie Steuern und Arbeitsplätze sichert.