Blitzgedanken – KW20 2026

Erstellt: 13. Mai 2026
  • Wer heute etwas auf sich hält, macht Selbstoptimierung. Was schön klingt, ist auch schön. Nämlich schön schwierig. Neulich habe ich in der Zeitung eine Tabelle entdeckt. Auf dieser sind die wichtigsten Massnahmen aufgelistet, welche zur Selbstoptimierung gehören. Ich bin die Liste durchgegangen. Von den 15 angegebenen Selbstoptimierungsroutinen mache ich genau null.

    Ich bin also ein sogenannter Anti-Selbstoptimierer. Ich verzichte weder auf Genussmittel, noch schlafe ich ausreichend. Vor allem organisiere ich meine Tage nicht von vorne nach hinten durch. Diese drei Punkte scheinen bei Selbstoptimierern besonders hoch im Kurs zu stehen und sind offenbar unabdingbar, wenn man sich selbst perfektionieren will. Ich bin eine Selbstoptimierungskatastrophe. Entgegen meinen Befürchtungen ist das aber nicht schlecht, sondern gut.

    Experten stellen den Selbstoptimierern ein ziemlich schlechtes Zeugnis aus. Sie sind viel anfälliger für psychische Krankheiten und haben ein hohes Vereinsamungspotenzial. Wenn man genau hinsieht, optimieren Selbstoptimierer nicht sich selbst, sondern tragen zum Verfall der Gesellschaft bei.

    Sie sind so sehr mit sich selbst beschäftigt und damit, dass sie von Mitmenschen vermeintlich als Modellmensch wahrgenommen werden, dass sie nicht merken, wie sie sich zugrunde richten, anstatt sich als Mensch weiterzuentwickeln, was ja eigentlich das Ziel der Selbstoptimierung wäre.

    Sie glauben also, mit dem, was sie tun, etwas zu erreichen, das sie eher erreichen würden, wenn sie genau das eben nicht tun würden. Das klingt kompliziert und genauso kompliziert ist es auch.

    Einfacher ausgedrückt müsste es heissen: Selbstoptimierer zerstören sich selbst. Das klingt sehr radikal. Vermutlich ist es nicht ganz so schlimm – aber fast.

    Auf jeden Fall beruhigt mich diese Selbsterkenntis ungemein und ich kann mich ohne schlechtes Gewissen weiterhin meinen schlechten Angewohnheiten widmen.Vor allem kann ich einfach in den Tag hineinleben und schauen, was passiert, ohne ständig mit der Angst leben zu müssen, ich könnte meine selbstauferlegten Tages-
    ziele nicht erreichen und dadurch eine Psychose entwickeln.

    «Nutze den Tag» heisst nicht, dass man sich zu seinem eigenen Sklaven machen soll.

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    Erfasst durch Nidwaldner Blitz

    Autor

    Guido Maximalminimal


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