Blitzgedanken – KW25 2026

Erstellt: 17. Juni 2026
  • Ich gehe jetzt auch ins Fitnesscenter. Wie das ein Freund von mir offenbar auch tut. Zumindest hat er das in seiner Kolumne einer Zeitung kundgetan. Im Gegensatz zu ihm gelte ich allerdings noch nicht als Senior. Ich bin noch jung. Zumindest sagen mir das alle, wenn ich ihnen von meinem Rückenleiden erzähle: «Hey, in deinem jungen Alter solltest du doch noch rumspringen und turnen können wie Donghua Li zu seinen besten Zeiten.» Wenn ich an einem Gerät das Gewicht einstelle, beschleicht mich aber ein anderes Gefühl.

    Beim Bankdrücken darf ich im Moment lediglich 10 kg einstellen. Trotzdem habe ich nach 15 Wiederholungen das Gefühl, jede weitere Wiederholung würde meine Muskeln zum Explodieren bringen. Senioren, die vor mir an diesem Gerät waren, haben ganz andere Gewichte eingestellt und verlassen es wieder, als hätten sie gerade eine aktivierende Massage erhalten. Wenn sie sich eine Schweissperle von der Stirn abtupfen müssen, hat das einzig und allein mit den Temperaturen zu tun, die im Center herrschen. 

    Bei mir rinnt der Schweiss nicht, er fliesst. Aus meinem T-Shirt könnte ich schon nach wenigen Minuten mehrere Deziliter Flüssigkeit gewinnen. Mein Ziel besteht im Moment noch nicht darin, mehr Gewichte an die Geräte hängen zu können, sondern beim Verlassen der Gerät nicht ins Schwanken zu geraten und nach mehr Sauerstoff zu lechzen. Es soll aber besser werden, sagt zumindest meine Physiotherapeutin. Sie ist ziemlich zuversichtlich, dass ich bald Fortschritte mache. Ich will sie nicht enttäuschen und hänge mich jetzt mächtig rein. 

    Vorderhand werde ich noch nicht mit meinem Ü60-Freund trainieren können. Auch wenn er sich alt fühlt und meint, er werde langsam vergesslich. Er würde sicher nicht vergessen, dass er beim Bankdrücken das Zehnfache zu stemmen vermag, von dem was ich mit Mühe und Not von mir wegdrücken kann, und mir das bei jeder Gelegenheit unter die Nase reiben. Ich möchte meinen Optimismus bei der Regeneration nach meiner Rücken-OP noch etwas behalten– so auch meine Physiotherapeutin.

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    Erfasst durch Nidwaldner Blitz

    Autor

    Guido Schwächling


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