Wasser, Glaube und Gemeinschaft – Die Taufe und andere Wege

Erstellt: 26. August 2026
  • Allen Religionen ist eines gemeinsam: der Wunsch, wichtige Lebensmomente mit Symbolen, Gemeinschaft und Hoffnung zu begleiten. Die Taufe in ihren unterschiedlichen Ritualen gehört dazu. Und es gibt auch Alternativen.

    Für viele Christen gehört die Taufe zu den wichtigsten Momenten ihres Lebens. Sie markiert symbolisch den Eintritt in die christliche Gemeinschaft. Wasser, das beim Taufritual über den Kopf gegeben wird, gilt dabei als Zeichen für Reinigung, Erneuerung und die Verbindung mit Gott. In orthodox geprägten Ländern wie Griechenland oder Russland werden Kinder oft vollständig untergetaucht und andere Weltreligionen betonen eher die persönliche, spirituelle Entwicklung.

    Katholische und evangelische Sicht
    In der Römisch-katholischen Kirche ist die Taufe eines der sieben Sakramente. Durch sie wird die Erbsünde abgewaschen und der Mensch dauerhaft in die Kirche aufgenommen. Getauft werden – wie auch in der evangelischen Kirche – meist Säuglinge. In letzterer wird sie vor allem als Zusage von Gottes Liebe verstanden und nicht als notwendige Voraussetzung für das Heil.

    «Wo Kinder sind, ist ein goldenes Zeitalter.»
    (Novalis, dt. Schriftsteller, 1772–1801)

    Andere Religionen
    Im Islam gibt es keine Taufe im christlichen Sinn. Jeder Mensch wird als Muslim im Zustand der Reinheit und ohne Sünde geboren. Neugeborenen wird viermal Allahu akbar (Gott ist gross) ins rechte Ohr geflüstert, dass die Welt ein Werk Gottes und von seinem Willen abhängig sei. Im Hinduismus, in dem Wasser eine 

    hohe spirituelle Bedeutung hat und Flüsse als heilig angesehen werden, finden Taufzeremonien häufig an Flussufern statt. Das Judentum kennt keine Taufe. Jude ist, wer eine jüdische Mutter hat. Jungs werden am achten Tag nach der Geburt beschnitten und tragen damit das Zeichen des Bundes zwischen Gott und dem jüdischen Volk am Körper.

    Der bewusste Weg
    Im Buddhismus geht es weniger um die Aufnahme in eine Glaubensgemeinschaft als vielmehr um den persönlichen, spirituellen Weg des Mündigen durch Gebete zu Buddha und dessen Lehre. Darum können Kinder nicht mittels Taufe zu Buddhisten werden, wohl aber wird ihre Geburt in Zeremonien gefeiert.

    Bei Baptisten oder Pfingstgemeinden wird sie meist erst im Jugend- oder Erwachsenenalter vollzogen. Ungetaufte gelten oft noch nicht als vollwertiges Gemeindemitglied. Sie erhalten erst nach der Glaubenstaufe samt persönlichem Glaubensbekenntnis Zugang zu bestimmten Aufgaben oder Funktionen innerhalb der Gemeinde.

    Nicht nur feierliches Ritual
    Die christliche Taufe hat vielfach konkrete Folgen für die religiöse Zugehörigkeit und das Gemeindeleben. In der Römisch-katholischen Kirche ist sie Voraussetzung, um als Mitglied vollständig zur Kirche zu gehören, wird als dauerhaft angesehen und kann auch im Falle eines Kirchenaustritts nicht rückgängig gemacht werden. Getaufte erhalten Zugang zu den Sakramenten wie Eucharistie, Firmung oder Beichte. Ungetaufte dürfen oft keine Sakramente empfangen, nicht zur Kommunion gehen, in der Regel kein Patenamt übernehmen, nicht kirchlich heiraten oder keine kirchlichen Ämter ausüben. Auch in der Evangelische Kirche markiert sie die Aufnahme in die christliche Gemeinschaft. Ungetaufte können meist nicht am Abendmahl teilnehmen, kein Patenamt übernehmen, oft keine Kirchenämter bekleiden und eventuell nicht kirchlich heiraten. Mit der späteren Konfirmation bestätigen Jugendliche ihre Taufe und bewusste Glaubensentscheidung.

    Was schenken?
    In der Römisch-katholischen Kirche gibt’s oft Taufkerzen, Kreuze, Schutzengel, Kinderbibeln, Rosenkränze, Schmuck mit christlichen Symbolen oder personalisierte Erinnerungsstücke, aber auch Sparbücher, Goldmünzen oder Schmuck für die Zukunft.

    In der Evangelischen Kirche sind es oftmals Geschenke mit persönlichen Wünschen: Kinderbibeln, Taufbriefe, Segenssprüche, Holzspielzeug, Schmuck mit eingraviertem Taufspruch sowie Geldgeschenke für Ausbildung oder Zukunft. Moderne Geschenke wie Zeitkapseln, Bäume zum Pflanzen oder personalisierte Bücher gewinnen zudem an Bedeutung.

    Tradition vs. persönliche Entscheidung
    Heutzutage sehen viele die Taufe weniger als «Pflicht» und eher als persönliche Glaubensentscheidung. Während früher fast jedes Kind getauft wurde, entscheiden sich heute viele Familien bewusster dafür oder dagegen. Manche Menschen holen sie erst im Jugend- oder Erwachsenenalter nach.

    Alternativen
    Manche haben keinen Bezug zu Kirche oder Religion, andere möchten, dass ihr Kind später selber entscheiden kann, ob es sich taufen lassen will oder nicht. Wer den Beginn des Lebens dennoch feiern möchte, hat verschiedene Möglichkeiten. Freischaffende Pfarrer gestalten in Zusammenarbeit mit den Eltern feierliche Rituale zum Lebensbeginn. Auch an einem Ort, der eine spezielle Bedeutung für die Eltern hat.

    Kindersegnung
    Sie eignet sich, wem die religiöse Erziehung des Kindes am Herzen liegt, es ihm aber überlassen möchte, ob es sich taufen lassen möchte. Mit der Segnungsfeier im Rahmen eines Gottesdienstes wollen die Eltern ihr Kind unter den Segen Gottes stellen. Reformierte, Christkatholische Kirchen und Freikirchen bieten diese Möglichkeit an. Das Kind wird dadurch allerdings nicht Mitglied der Kirche. Im Gegensatz zur Taufe kann eine Kindersegnung zu verschiedenen Anlässen, z. B. beim Schuleintritt, wiederholt werden. 

    Bei einer Namens-, Geburts- oder Willkommensfeier feiern die Eltern den Lebensbeginn ganz ohne religiösen Bezug und individuell gestaltet. Eltern und Gäste schenken ein Erinnerungsstück, das dem Kind auf den Lebensweg mitgegeben wird.

    Baby-Shower
    In den USA längst Tradition, wird auch hierzulande immer häufiger eine Party zur Ankunft des Babys wenige Wochen vor oder nach der Geburt gefeiert. Ohne für gewöhnlich religiösen oder spirituellen Charakter wird die (werdende) Mutter mit Geschenken und guten Wünschen bedacht.

    Gemeinde Dallenwil

    Gemeinde

    Erfasst durch Nidwaldner Blitz

    Autor

    Bianca Kemke


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