Blitzgedanken – KW31 2026

Erstellt: 29. Juli 2026
  • Als ich zur Schule ging, lernte man auf der Primarstufe noch keine Fremdsprachen. Meinen ersten Kontakt mit einer solchen hatte ich in der Sek. Ich kann mich noch gut erinnern, meine allererste Französisch-Lektion war ein Desaster. Ich hatte mit dieser Sprache abgeschlossen, bevor ich das erste Wort richtig aussprechen konnte. Ohne die erforderliche Motivation war es klar, dass meine Noten in diesem Fach mehr als nur dürftig waren. Das letzte halbe Jahr hat man mich dann gar dispensiert. Anstatt Verben in Französisch zu konjugieren, habe ich gesungen. Ich war froh, konnte ich mit dem Ende der Schulzeit auch Französisch hinter mir lassen – für immer.

    Jetzt bin ich in Frankreich in den Ferien. Und siehe da, ich verstehe ziemlich viel von dem, was die Einheimischen so von sich geben. Leider liegt es nicht an meinem Schulfranzösisch, dass ich mich mit den Menschen hier unterhalten kann. Ich hatte nämlich dann doch plötzlich Lust auf diese Sprache und habe mir vier Monate in einer Sprachschule in Frankreich gegönnt. Das sind jetzt zwar auch schon wieder mehr als 25 Jahre her, trotzdem kann ich noch ziemlich viel von dem entschlüsseln, was mir die Menschen hier so entgegnen. 

    Meine Kinder interessiert es nicht, welche Sprache man hier spricht. Ich bin mir nicht mal sicher, ob ihnen bewusst ist, dass hier Französisch gesprochen wird, und das, obwohl schon alle in der Schule in den Genuss dieser schönen Sprache kommen. Ihnen wird es bis zum Ende der Schulkar-
    riere ähnlich ergehen wie mir. Sie werden maximal einige Fetzen verstehen und schon bald ganz verdrängt haben, dass sie eine Sprache gelernt haben, die mehr Ausnahmen als Regeln hat. Zumindest bei den Verben. Irgendwann werden sie sich vielleicht für einen Beruf entscheiden, für den sie das Französisch brauchen. Dann werden sie es lernen. Ob ihnen die Mühsal aus der Schulzeit noch von Nutzen sein wird, bezweifle ich sehr. Aber immerhin kennen sie den Unterschied zum Englischen. Sie wissen nämlich, dass das, was sie hier hören, nicht so tönt wie in ihren Youtube-Filmchen.

    Ich bin gespannt, wie sich die Sprachaffinität meiner Kinder entwickeln wird. Mein Sohn lernt mit einer App schon mal etwas Spanisch. Im Sprachenlernen geht es primär sowieso nicht darum, sich mit anderen Menschen unterhalten zu können, sondern um den kulturellen Austausch. Aber dafür müsste man sich gegenseitig halt zumindest ein bisschen verstehen.

    Vereine Dallenwil

    Verein

    Erfasst durch Nidwaldner Blitz

    Autor

    Guido Imparfait


    © 2026 Verlagsgesellschaft Nidwaldner Blitz AG