Die Pilger kommen seit über 500 Jahren nach Seelisberg

Erstellt: 12. August 2026
  • Wallfahrtstag. Am kommenden Samstag, 15. August, feiert die Marienkapelle Sonnenberg den offiziellen Wallfahrtstag mit einer Eucharistiefeier um 10.30 Uhr mit Pfarrer Josef Zwyssig. Um 14.00 Uhr hält der Ortsseelsorger Sandor Szakacs die Vesper mit Festpredigt. 

    «Seelisberg ist für mich einer jener besonderen Orte, an denen sich Himmel und Erde zu berühren scheinen und an denen Gottes Nähe besonders spürbar wird. Die Wallfahrtskapelle Maria Sonnenberg erinnert uns, dass wir alle Pilger auf unserem Lebensweg sind und dass dieser Weg immer auch ein Weg zu Gott ist», erklärt Sandor Szakacs die Bedeutung der Wallfahrt. Beide Gottesdienste werden von Organisten auf dem Kapell-Harmonium begleitet. Am Abend um 20.00 Uhr improvisiert einer der bedeutendsten ungarischen Jazz-Gitarristen zu ausgewählten Psalmversen in der Marienkapelle zum Abschluss des Wallfahrtstages. Der Eintritt dazu ist frei, eine Kollekte ist für den Künstler bestimmt. 

    Pilger mussten zum Teil im Wald übernachten
    Die Pilgerfahrten nach Seelisberg begannen bereits zu Beginn des 16. Jahrhunderts und über viele Jahre war Seelisberg vor allem aus diesem Grund über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Über die Anfangszeit gibt es kaum Angaben zur Anzahl der Pilger. Das liegt auch daran, dass Seelisberg in erster Linie Wallfahrtsort der Einzelpilger ist, die still die Kapelle aufsuchen, um ihre privaten Anliegen vorzubringen. Erst am Ende des 16. Jahrhunderts weiss Pfarrer Furrer in seinen Aufzeichnungen von «einigen Tausend Pilgern, welche an den Muttergottesfesten zugegen waren». Im Jahr 1864 beschreibt er, dass am Fest von Maria Himmelfahrt gegen 4'000 Pilger in Seelisberg waren, sodass einige im Heu oder sogar im Wald übernachten mussten, da sie sonst keinen Platz mehr zum Übernachten gefunden hatten.

    Viele Gemeinden machten gemeinsame Bittgänge 
    In späteren Jahren fanden regelmässige Bittgänge aus verschiedenen Orten der Zentralschweiz nach Sonnenberg statt. Oft gab es dafür einen speziellen Beweggrund. So liest man im Sonnenberg-Buch von Pfarrer Eduard Baumgartner als Gründe etwa von einer langen Trockenheit, anhaltend schlechter Witterung oder einer Ungezieferplage. Aber auch während des drohenden Einfalls der Franzosen in Nidwalden im Frühling 1798 fanden solche Bittgänge statt. Heute sind nur noch wenige dieser Bittgänge übrigeblieben. Zahlreiche Votivtafeln zeugen in der Wallfahrtskapelle, welche 1667 eingeweiht worden ist, von der Dankbarkeit der Pilger, deren Bitten erhöht worden sind. 

    Der Kapellsigrist war auch Gemeindeschreiber
    Das erste Kapellhaus wurde 1670 direkt neben der Kapelle Maria Sonnenberg errichtet. Kurze Zeit später vermachte die Besitzerin das Haus der Kapelle, worauf es vergrössert wurde. Von 1798 bis 1901 war der Kapellsigrist zugleich auch Gemeindeschreiber. Die Gemeindekanzlei befand sich im Zimmer direkt neben dem Hauseingang. Nach dieser Zeit kam die Gemeindekanzlei ins damalige Schulhaus. Lange Zeit blieb das Haus aber der Wohnort des amtierenden Kapellsigristen. Heute wohnt der Ortsseelsorger Sandor Szakacs im schmucken alten Kapellhaus mit den niedrigen Räumen.

    Gemeinde Seelisberg

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    Erfasst durch Nidwaldner Blitz

    Autor

    Christoph Näpflin


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