Sie kommen doch wieder

Erstellt: 12. August 2026
  • Der Wind pfiff laut ums Schloss herum und rüttelte fest an den Fensterläden. Der König sass im Wohnzimmer in seinem gemütlichen Ohrensessel vor dem Kamin, trank Tee und las in einem Buch. Nun legte er es zur Seite, stand auf und ging zum Fenster, um nach dem Rechten zu sehen.

    Als er das Fenster öffnete, blies ihm ein kräftiger Wind ins Gesicht. Sofort fasste er nach seiner Krone, damit sie ihm nicht vom Kopf geweht würde. Schnell schloss er das Fenster wieder und ging in die Küche, um nach der Katze zu sehen. Aber der Katzenkorb war leer. Stattdessen erblickte er sie auf der Fensterbank. Sie sass dort, schaute hinaus in den Schlossgarten und ab und zu zuckte ihre Schwanzspitze. Sie hatte den König nicht kommen bemerkt. Er trat neben sie und streichelte behutsam ihr weiches Köpfchen.

    Eine Weile noch blickten sie gemeinsam hinaus in den Schlossgarten und sahen dem Herbststurm zu, wie er die bunten Blätter durcheinanderwirbelte und die Wolken am Himmel vor sich hertrieb. Ab und zu hörten sie das Klappern des eisernen Schlosstors am Ende des Kieswegs.

    Der König nahm die Katze auf den Arm und setzte sich mit ihr auf die Küchenbank. Sie hob ihr Köpfchen und blickte ihn aus ihren traurigen Augen an.

    Der König holte tief Luft und begann, die Katze zu trösten. Mit warmer Stimme sprach er zu ihr: «Weisst du», sagte er, «es ist ja nicht für immer. Im nächsten Frühling schon sind deine gefiederten Freude wieder da, sitzen in den Bäumen und zwitschern fröhliche Lieder. Denn jetzt, wenn der Winter beginnt, ist es den Vögeln hier zu kalt und sie finden kein Futter mehr. Deshalb fliegen sie in den warmen Süden, überwintern dort und kehren im Frühling wieder hierher zurück.»

    Die Katze hatte dem König still zugehört und war schon gar nicht mehr so traurig. «Komm», sagte er, «lass uns zum Abschied noch winken und ihnen eine gute und sichere Reise wünschen.» Die Katze sprang wieder auf das Fensterbrett und gemeinsam schauten sie den Vögeln noch lange nach, bis auch der letzte, kleinste Punkt am Himmel verschwunden war.

    Dann drehte sie sich um und und sprang munter vom Fensterbrett hinunter. Sie schnappte sich einen Faden, der aus einem Wollknäuel herauslugte und tollte damit fröhlich durch die Küche. Der König hatte Mühe, hinterherzukommen. So tobten sie durchs ganze Schloss. Die Katze vorneweg, der König schnaufend hinterher.

    Illustration: Hannah Kemke

    Gemeinde Dallenwil

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    Erfasst durch Nidwaldner Blitz

    Autor

    Bianca Kemke


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