Ein Sommer für die Seele – Der gewöhnliche Zauber der Resilienz

Erstellt: 19. August 2026
  • Es ist wieder so weit: Die hellen Abendstunden, die Glacé-Stände und die Stand-Up-Paddles sind zurück. Der diesjährige kräftige Sommer scheint unbesiegbar. Ähnliche Worte nutzte schon der französische Schriftsteller und Philosoph Albert Camus, dessen Zitat zu den aktuellen Temperaturen gut passt: «Mitten im tiefsten Winter wurde mir endlich bewusst, dass in mir ein unbesiegbarer Sommer wohnt.»

    Ein «unbesiegbarer Sommer» – ist damit eine Jahreszeit oder ein innerer Zustand gemeint? Das poetische Zitat kann durchaus als Ermutigung verstanden werden, wenn wir im Zitat den «tiefsten Winter» mit «Krise» und den «unbesiegbaren Sommer» mit «innerer Stärke» ersetzen. Was ist denn aber diese «innere Stärke» von uns Menschen während der «tiefen Winter» oder Krisen im Leben? Eine mögliche Antwort kommt aus der Welt der modernen Psychologie: Der Begriff der Resilienz ist in den letzten Jahren auf grosses Interesse gestossen. Die (psychologische) Resilienz ist die Fähigkeit eines Individuums oder eines Systems, erfolgreich mit herausfordernden Situationen oder Belastungen umzugehen.

    Nebst der eigentlichen Auseinandersetzung mit der Herausforderung geht der Resilienz-Ansatz auch der Frage nach: Wie kann sich der Mensch für widrige Umständen stärken, sodass er oder sie auf psychischer, emotionaler, gedanklicher oder sogar körperlicher oder sozialer Ebene mit gestärkten Möglichkeiten und somit aus einer gestärkten Position heraus die herausfordernde Situation angehen kann.

    Im Umgang mit Herausforderungen setzt die Resilienz – unter Berücksichtigung der eigenen Bedürfnisse und Grenzen – auch eine gewisse Flexibilität und Anpassungsfähigkeit voraus. So stammt das Wort Resilienz aus dem lateinischen Verb «resilire», was so viel wie «zurückspringen, abprallen oder nicht anhaften» bedeutet. Das Zurückspringen in die Ursprungsform kann sinnbildlich auch mit der Eigenschaft eines Schwamms verglichen werden: Unter Druck passt sich der Schwamm den äusseren Einwirkungen an, übersteht dank seiner Flexibilität die Druckphase und kann nach der Druckphase wieder unversehrt in seine Ursprungsform zurückfinden.

    In wissenschaftlichen Kreisen wird die Resilienz übrigens auch als «Ordinary Magic», also als «gewöhnlichen Zauber» bezeichnet. Diese Beschreibung ist kein Zufall und lässt sich auf zwei wichtige Punkte zurückführen:

    1. Resilienz ist erlernbar und somit für jedermann und jedefrau. Die Kraft der Resilienz ist demnach nicht irgendwelchen Superhelden oder Genies vorbehalten.
    2. Die Natur der Resilienz ist «gewöhnlich». Resiliente Menschen zeichnen sich nicht durch Superkräfte, übermenschliche Errungenschaften oder Ausnahmeerscheinungen aus. Vielmehr ist die Resilienz als individuell zusammengestelltes und harmonisches Rezept für innere Stärke zu verstehen, welches sich aus vielleicht alltäglichen oder unscheinbaren Zutaten «gewöhnlich herzaubern» lässt.

    So findet die Resilienz ihren Weg ins Leben; vielleicht durch einen Waldspaziergang, eine wertvolle Begegnung, einen Kaffee mit Freunden, eine humorvolle Lektüre, ein Gebet, eine Yoga-Sitzung, einen schönen Sonnenaufgang, ein klärendes Gespräch, ein gemeinnützliges Projekt, ein Tanzabend oder vielleicht durch eine neugewonnene Perspektive. Übrigens gilt auch eine optimistische Grundhaltung als resilienzfördernder Faktor. Und wenn dann der Sommer trotzdem eines Tages dem Winter weicht und die Nächte wieder länger und dunkler werden, lässt sich aus einer resilient-optimistischen Grundhaltung festhalten «je dunkler die Nacht, desto heller die Sterne.». Von Samuel Felder, Psychologe M. Sc.

    Weitere Infos
    Für Resilienz-Interessierte: Am Samstag, 12. September 2026, findet wieder der Resilienz-Workshop – «Mentale Stärke konkret umgesetzt» von Projekt Kompass im idyllischen Hotel «Pilgerhaus» in Maria-Rickenbach NW statt.

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