Blitzgedanken – KW34

Erstellt: 19. August 2026
  • Wir pendeln, weil wir pendeln wollen. Das hat eine Studie herausgefunden. Egal wie viele Wohnungen ein Ort hat, an dem es zahlreiche Arbeitsplätze gibt, auf die Anzahl Pendler hat das keinen Einfluss. Die Menschen wohnen dort, wo sie sich verwurzelt fühlen, und arbeiten da, wo es Arbeit gibt, die ihren Qualifikationen entsprechen.

    Was die Studie auch noch herausgefunden hat und viel wichtiger ist: Den Menschen ist es egal, wie weit weg der Arbeitsplatz von ihrem Wohnort ist. Solange sie ihn in einer für sie angenehmen Zeitspanne erreichen können, pendeln sie. Das heisst, nicht die Entfernung ist entscheidend, sondern die Zeit, die man braucht, um diese zurückzulegen.

    Verbessern wir also die Infrastruktur und machen sie schneller, dann wohnen die Leute ganz einfach weiter weg von ihrem Arbeitsplatz. Wäre New York in einer Stunde erreichbar, die Hälfte der Nidwaldner Bevölkerung würde im Big Apple arbeiten, sagt die Studie.

    Was heisst das für die Verkehrsplaner? Wenn wir wollen, dass die Menschen da arbeiten, wo sie wohnen, und die Pendlerströme kleiner werden, dann müssen die Strassen und Schienen zurückgebaut werden. Ohne Zug arbeitet niemand in Zug, heisst die Devise. Fertig mit: Der Kluge reist im Zuge. Autobahnen müssen nicht auf sechs Spuren erweitert werden, es ist eine Reduktion auf zwei nötig. Wir geben Milliarden aus, damit noch mehr Menschen pendeln. Wir animieren Sie quasi zum pendeln. Dabei wollten wir doch genau das nicht erreichen.

    Das ist ja wie bei meinem Kühlschrank. Der macht nämlich auch komische Sachen. Seit neustem kühlt er bei eingeschalteter Super-Freeze-Funktion maximal noch auf 12,5 °C herunter. Deaktiviere ich die Superkühlfunktion, dann kühlt er auf 12 °C. Aber eigentlich ist das egal. Die Lebensmittel gehen auch bei dieser Temperatur kaputt.

    Ich brauche einen neuen Kühlschrank und die Schweiz ein neues Mobilitätskonzept. Aber eines, bei dem 1+1 nicht –1 gibt. Das Joghurt müsste mindestens so lange haltbar sein, wie eine Zugreise von Nidwalden nach Zürich dauert. Oder etwas länger, falls der Zug mal Verspätung hat. Jetzt habe ich etwas durcheinandergebracht. Die Schweiz braucht kein neues Mobilitätskonzept. Sie bräuchte Menschen mit etwas mehr – ja was denn?

    Vereine Dallenwil

    Verein

    Erfasst durch Nidwaldner Blitz

    Autor

    Guido Abgefahren


    © 2026 Verlagsgesellschaft Nidwaldner Blitz AG