Stärken stärken

Erstellt: 19. August 2026
  • Du weisst ziemlich genau, was nicht funktioniert. Du siehst Fehler, Lücken und Schwächen: bei dir selbst, bei deinen Mitarbeitenden und manchmal auch bei deinen Kundinnen und Kunden. Dabei geht schnell vergessen, was eigentlich gut läuft. Zeit, den Blick wieder einmal auf die Stärken zu richten.

    Kennst du das? Ein Projekt läuft hervorragend. Die Kundschaft ist zufrieden, dein Team hat engagiert gearbeitet, das Ergebnis stimmt. Und dann sind da diese fünf Prozent, die nicht funktioniert haben. Ein Fehler. Eine falsche Entscheidung. Etwas, das du selbst hättest besser machen können. Plötzlich fühlen sich diese fünf Prozent wie 95 % «Fehler» an.

    Das ist die Selbstzweifel-Falle. Gerade als Unternehmerin oder Unternehmen bist du darin schnell gefangen. Du trägst Verantwortung und weisst gleichzeitig sehr genau, was noch besser sein könnte. Dabei vergisst du, was du bereits geleistet hast.

    Stärken stärken beginnt deshalb bei dir selbst: mit dem bewussten Blick auf das, was gelingt.

    Was siehst Du bei anderen?
    Der gleiche Mechanismus wirkt auch in der Führung. Ein Mitarbeiter macht hervorragende Arbeit. Aber vielleicht macht er einen Fehler. Oder etwas entspricht nicht deinen Vorstellungen.

    Worüber sprichst du? Über den Fehler.

    Natürlich müssen Fehler angesprochen werden. Schwächen dürfen nicht ignoriert werden. Führung bedeutet auch, Entwicklung einzufordern und Verantwortung zu übernehmen.  Aber die entscheidende Frage ist: Was siehst du zuerst: den Fehler oder den Menschen mit seinen vielen Stärken?

    Eine gute Führungskraft erkennt beides. Sie verschweigt Schwächen nicht, macht sie aber nicht zur Identität eines Menschen.

    Menschen dort einsetzen, wo sie stark sind
    Stärken stärken bedeutet nicht, jedem zu sagen: «Du bist toll, so wie du bist.» Das wäre zu einfach. Es bedeutet, Menschen dort einzusetzen, wo sie ihr Potenzial noch besser entfalten können. Der eine kann hervorragend zuhören, die andere denkt analytisch, jemand anderes bringt Kreativität oder handwerkliches Geschick mit.

    Jeder Mensch hat Bereiche, in denen er weniger stark ist. Die Kunst besteht darin, diese Schwächen zu kennen und gleichzeitig die richtigen Rahmenbedingungen für die eigenen Stärken zu schaffen.

    Das kann bedeuten:

    • Aufgaben nach Stärken zu verteilen
    • Mitarbeitende gezielt weiterzuentwickeln
    • Unterschiedliche Persönlichkeiten bewusst zusammenzubringen
    • Verantwortung dort zu geben, wo jemand seine Stärken einbringen kann.

    Nein, das ist keine Kuschelkultur. Das ist wirksame Führung im 2026.

    Kundinnen und Kunden haben auch Stärken
    In der Zusammenarbeit mit Kundinnen und Kunden konzentrierst du dich schnell auf das, was schwierig ist: Anforderungen, Reklamationen oder Missverständnisse. Plötzlich ist alles schlecht und schwierig.

    Dabei lohnt sich der Perspektivenwechsel: Was funktioniert bereits gut? Wo liegt noch mehr Potenzial?

    Wer die Stärken des anderen erkennt, schafft Vertrauen. Und wer sich gesehen und wertgeschätzt fühlt, spricht eher über seine Schwächen.

    Der Perspektivenwechsel
    Vielleicht solltest du dich deshalb öfter ganz bewusst fragen: Was läuft momentan eigentlich gut bis sehr gut? Bei dir selbst. In deinem Unternehmen. In deinem Team. Bei deinen Kundinnen und Kunden. Nicht, um Probleme zu verdrängen, sondern um ihnen die richtige Grösse und somit Bedeutung zu geben.

    Wenn du immer nur auf die fünf Prozent blickst, verlierst du den Weitblick für die 95 Prozent, die dich dorthin gebracht haben, wo du heute stehst.

    Stärken stärken heisst nicht, Schwächen zu ignorieren. Es heisst, den Menschen nicht auf seine Schwächen zu reduzieren
    Vielleicht ist genau das eine der wichtigsten Aufgaben von Führung: Potenzial zu erkennen, bevor es selbstverständlich wird. Und vielleicht solltest du dabei auch mit dir selbst grosszügiger sein.

    Denn manchmal ist die grösste Stärke nicht, nie zu zweifeln, sondern trotz des Zweifelns weiterzumachen. 

    Mehr dazu im September.

    Gemeinde Buochs

    Gemeinde

    Erfasst durch Nidwaldner Blitz

    Autor

    Christian Portmann, Präsident Gewerbe Buochs-Ennetbürgen


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