Know-How aus Nidwalden bei den Aufräumarbeiten in Blatten
Beim Bergsturz von Blatten im Lötschental vom 28. Mai 2025 wurden rund 90 % des Dorfes, ca. 130 Häuser und auch die Kirche und der Friedhof verschüttet.
Mit ungeheurer Wucht schoss die Lawine aus Eis und Schutt in das Tal und auf der gegenüberliegenden Talseite hinauf. Der Weiler Weissenried am Gegenhang blieb unversehrt, der Murgang schoss weiter hinauf und kam knapp vor der Strasse von Weissenried nach Gassun zu stehen. Ein grosser Teil lagerte sich am Gegenhang ab, rund 300 Höhenmeter über dem Talboden. Der weitaus grösste Teil der rund zehn Millionen Schutt und Eismassen bedeckte den Talboden des Lötschentals auf einer Länge von rund 2.5 Kilometern und 50 bis 200 Metern Breite. Unter den Schuttmassen begraben wurden auch die Weiler Ried, Oberried und Tännmatten sowie die Verbindungsstrasse nach Blatten. Der Schuttstrom floss talabwärts und kam erst einen Kilometer oberhalb von Wiler zum Stehen.
Der Auftrag der recytec AG
Die Herausforderung war, den Gegenhang, der mit einer bis zu 15 Meter hohen Schuttmasse bedeckt war, wieder auf das gewachsene Terrain abzutragen. Rund sieben Wochen nach dem Felssturz nahmen Sepp Niederberger, Inhaber der recytec AG, und die Maschinisten Rochus Zumbühl und Thomas Mathis einen Augenschein oberhalb des Gegenhanges vor.
Geht nicht gibt’s nicht und Halbheiten waren noch nie das Ding von Sepp Niederberger.
Schnell war klar, es musste mit grobem Geschütz aufgefahren werden. Die üblichen Schreitbagger waren nach Sepp Niederberger zu wenig effizient. Die Lösung waren zwei Bulldozer, bis 28 To. und ein Raupenbagger, bis 25 To., welche aber mit speziellen, selbst gefertigten Anhängevorrichtungen ausgerüstet wurden. Damit die Bulldozer und der Bagger den Schutt in Fallrichtung auf den Schuttkegel abtragen konnten, wurden sie mit drei Spezialseilwinden gesichert. Diese wurden oberhalb des Schuttkegels verankert.
Der Hang ist teilweise über 60 Grad steil, steiler als der steilste Abschnitt bei der Lauberhornabfahrt. Für das eingeschworene Team, bestehend aus Rochus Zumbühl, René Mathis, Maurus Christen und Nino Walker, ist es ein nicht alltäglicher, einmaliger Job. «Natürlich macht man sich Gedanken über das ganze Ausmass dieses Felssturzes. Aber es bringt nichts, es ist so, wie es ist, man macht das Beste daraus», sagt Rochus Zumbühl. Die ganze Wucht des Bergsturzes lässt sich nur erahnen, der grösste Felsbrocken, rund 120 Tonnen schwer, musste gesprengt werden. Die Arbeiten dauerten 2025 bis zum Einwintern und wurden im Frühling 2026 wieder aufgenommen, voraussichtlich bis im August 2026. Seit Beginn der Arbeiten wurden weit über 200'000 Kubikmeter Schutt talwärts befördert. Allerhand Logistik ist auch für den Maschinenpark gefragt, im Materialcontainer ist ein entsprechend notwendiges Ersatzteillager eingerichtet, damit Reparaturen vor Ort ausgeführt werden können. Erste Anbauversuche auf dem Schuttkegel werden gemacht, bis im Jahr 2030 soll Leben in das neue Blatten zurückkehren – die recytec AG wird einen Teil dazu beitragen.
Langjährige Erfahrung
Die im Jahre 2008 gegründete Firma recytec AG beschäftigt heute ca. 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie bietet eine breite Palette von Dienstleistungen im Bereich Recycling und Aufbereitung von Materialien an. Dazu gehören Kiesaufbereitung, Schlackenaufbereitung (Entschrotten von Kehrichtverbrennungsasche), die Rückgabe von Bauschutt in den natürlichen Kreislauf, semimobile Kieswaschanlagen, Aufbereitung von Bahnschwellen und Mülldeponien.
Sepp Niederberger und sein Team haben das sichere Gespür, etwas anzupacken und Lösungen zu finden, wo andere die Finger davon lassen. Entsprechend gross ist inzwischen die Erfahrung und das Know-how, geht es um Aufbereitung und Sonderlösungen.
Die eigene, mechanische Werkstatt in Beckenried ermöglicht die Herstellung spezieller Anlagen, Einrichtungen und Abänderungen am Maschinenpark, die der Firmengründer oft selbst entwickelt, effizient zu realisieren. Diesen entscheidenden Vorteil wussten nicht nur Kunden in der Schweiz, sondern auch in Frankreich, Belgien oder Tschechien zu nutzen.