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Erfasst durch Nidwaldner Blitz
Autor
Amira Eicher
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Weiter zur RegistrierungWenn die Tage kürzer werden, beginnt am Himmel das grosse Kommen und Gehen. Zugvögel verlassen ihre Brutgebiete und machen sich auf den Weg in wärmere Regionen. Jede Art folgt dabei ihrem eigenen Reiseplan. Würde man sämtliche Flugrouten der Zugvögel auf einem Globus einzeichnen, wäre die Erde unter dem dichten Netz aus Reiserouten kaum noch zu erkennen. Wie gewaltig dieses Naturschauspiel ist, zeigt ausserdem ein Blick auf die Zahlen: Weltweit begeben sich jedes Jahr schätzungsweise 50 Milliarden Zugvögel auf Wanderschaft. Auf ihren oft langen Reisen brauchen sie sichere Orte, um Kraft für die nächste Etappe zu sammeln.
Rund um den 1. August ist diese Ruhe jedoch vielerorts gefährdet. Was für viele Menschen in der Schweiz zum Nationalfeiertag dazugehört, bedeutet für Vögel enormen Stress: Knallende Feuerwerkskörper und grelle Lichtblitze schrecken sie auf und treiben sie in die Flucht. Eine Basler Studie zeigt, dass betroffene Tiere teilweise tagelang kaum Ruhe finden und nicht sofort an ihre gewohnten Schlafplätze zurückkehren. Die Feuerwerksverbote kamen der Vogelwelt in diesem Jahr deshalb zugute.
Warum brechen Zugvögel überhaupt auf?
Der Vogelzug ist vor allem eine Reise zum gedeckten Tisch. Verschwinden im europäischen Winter die Insekten, weichen viele Arten in wärmere Gebiete aus, wo das Angebot üppiger ausfällt. Dauerhaft bleiben sie dort jedoch nicht, da sie Nahrung und Lebensraum mit den heimischen Vögeln teilen müssen. Im Frühling zieht es sie deshalb zurück in den Norden, wo sie dank des milden Klimas und des ausreichenden Futterangebots gute Bedingungen zum Brüten und zur Aufzucht ihrer Jungen vorfinden.
Vom Daheimbleiber bis zum Weltenbummler
Nicht jeder Vogel zieht gleich weit. Amsel und Rotkehlchen zählen zu den Kurzstreckenziehern. Sie verlassen zwar ihr Brutgebiet, verbringen den Winter aber innerhalb Europas und damit in klimatisch ähnlichen Regionen. Gleichzeitig treffen Vögel aus nördlicheren Gebieten bei uns ein, wodurch sich eine Art das ganze Jahr über beobachten lässt, obwohl es sich nicht immer um dieselben Tiere handelt. Nachtigall, Kuckuck und Schwarzmilan gehören dagegen zu den Langstreckenziehern. Sie verlassen ihre Brutgebiete vollständig und überwintern in tropischen oder subtropischen Regionen Afrikas oder Asiens. Standvögel verzichten dagegen auf die grosse Reise und bleiben das gesamte Jahr in ihrem Brutgebiet. In der Schweiz gibt es davon nur wenige, darunter Hühner, Eulen und Spechte. Die meisten anderen Arten weichen zumindest in wärmere Gebiete oder tiefere Lagen aus. Eine besondere Zwischenform bilden die sogenannten Teilzieher: Bei ihnen bricht nur ein Teil der Tiere im Herbst Richtung Süden auf, während der andere im Brutgebiet zurückbleibt.
Startklar für den grossen Aufbruch
Die Vorbereitungen beginnen bereits im Spätsommer. Während einige Vögel ihre Ernährung an die kalte Jahreszeit anpassen und hierbleiben, fressen sich andere Energiereserven für die lange Reise an. Wann der Abflug erfolgt, ist genau getaktet. Schwarzmilan und Kuckuck gehören zu den ersten Abreisenden. Während sie sich bereits Ende Juli oder Anfang August auf den Weg nach Afrika machen, treten andere Arten ihre Reise erst im Oktober an. Früh aufbrechende Langstreckenzieher fliegen oft nachts und allein nach Afrika. Später startende Arten reisen dagegen vielfach tagsüber und in Schwärmen nach Südfrankreich, Spanien, Algerien oder Marokko. Bevorzugt sind sie bei trockenem Wetter und mit Rückenwind unterwegs. Die Reise erfolgt in Etappen und wird von mehrtägigen Pausen unterbrochen. Einige Arten vollbringen auf ihren Reisen nahezu Unglaubliches. Die Küstenseeschwalbe hält den Rekord unter den Langstreckenfliegern. In einem Jahr legt sie etwa 40’000 Kilometer zurück. Das entspricht ungefähr einer vollständigen Umrundung der Erde.
Wenn die Frühlingsboten heimkehren
Mit den ersten Frühlingstagen füllt sich der Himmel nach und nach mit vertrauten Gästen. Star und Weissstorch machen den Anfang. Etwa Mitte April folgen Nachtigall und Kuckuck, während die Turteltaube erst im Mai aus ihrem Winterquartier zurückkehrt. Wann eine Vogelart eintrifft, hängt vor allem davon ab, wo sie überwintert hat. Vögel aus dem Mittelmeerraum haben einen kürzeren Heimweg als jene aus dem tropischen Afrika. Auch die Witterung kann ihre Ankunft um einige Tage verzögern oder beschleunigen. Durch die Klimaerwärmung kehren manche Arten heute zudem früher zurück als noch vor einigen Jahren.
Selbst innerhalb einer Art landen nicht alle Tiere gleichzeitig. Häufig treffen die Männchen einige Tage vor den Weibchen ein und nutzen ihren Vorsprung, um sich einen geeigneten Brutplatz zu sichern. Mit der Ankunft der letzten Heimkehrer endet schliesslich eine beeindruckende Reise, bevor im Herbst alles wieder von vorne beginnt.
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