Pius Odermatt – Der fahnenschwingende Sakristan

Erstellt: 23. September 2026
  • Ein Hobby zu haben, vertreibt am Tag die Langeweile, steigert die Lebenszufriedenheit und fördert Gesundheit und Wohlbefinden. Einer, der Fahnenschwingen als seltenes und traditionelles Hobby ausübt, ist Pius Odermatt. Mit ihm ist der Nidwaldner Blitz ins Gespräch gekommen. 

    Pius Odermatt betreibt das aktive Fahnenschwingen im Eidgenössischen Jodlerverband seit 2008. «Ich betreibe dieses Hobby mit grosser Hingabe und «fähndle» leidenschaftliche gern», sagt er überzeugend. Seine ersten Schwünge absolvierte er mit 15–16 Jahren unter Anleitung seines Vaters. Sein erstes Jodlerfest bestritt er 2009 in Naters und wurde erstklassig benotet. Dazu fügt er an: «Wenn ich an einem Jodlerfest, einer Ausscheidung oder an der Schweizermeisterschaft in einem Kreis mit 60 cm Durchmesser stehe und mich von einer dreiköpfigen Jury bewerten lasse, dann spüre ich schon eine gewisse Anspannung. Du stehst im Kreis, solltest keinen Schritt machen, die Schwünge perfekt ausführen und das Wichtigste, die Fahne sollte nicht auf den Boden fallen. Dann, nach drei Minuten, kommt das Gut von der Jury und die ganze Anspannung und Nervosität legt sich mit einem Schlag.»

    Übung macht den Meister
    Der Könner und Kenner dieses seines Metiers gibt klar zu verstehen, dass es zum Fahnenschwingen keine Voraussetzungen braucht, dafür sind Geduld, Durchhaltewillen und regelmässiges Training unerlässlich. Dafür nimmt sich Pius die nötige Zeit und übt jede Woche am Donnerstag von 20.00 Uhr bis 22.00 Uhr im alten Schützenhaus in Beckenried. In seinem Repertoire befinden sich mehrere Lieblingsschwünge, wobei jeder Schwung sitzen muss und im dreiminütigen Programm sowohl rechts als auch links ausgeführt werden muss. Für ihn lassen sich Beruf und Hobby gut vereinbaren. Als Sakristan bleibt ihm nach dem abendlichen Schliessen der sakralen Räume noch etwas Zeit, seine Schwingtechnik zu vertiefen. Inzwischen gilt Pius als Routinier. Dies beweisen seine Erfolge an Zentral- und Schweizermeisterschaften, wo er Spitzenplätze belegte. (Eidg. Fahnenschwinger-Wanderpreis 2024, 4. Rang und 2026, Platz 10.)

    Fähnlerfreundschaft
    «Mit Werni Gisler», so Pius Odermatt, «verbindet mich eine tiefe Freundschaft.» Beide erlebten zusammen schon manches Fest und Auftritte. Einer der Höhepunkte war sicher im Jahr 2015, als sie am Carneval in Rio de Janeiro durch das Sambódromo mit über 80'000 Zuschauern marschieren durften. Unbeschreiblich eindrücklich und unvergesslich. Sie pflegen auch ein gutes Einvernehmen miteinander und ergänzen sich als Fähnler-Duett optimal, weil Harmonie, Konzentration, Disziplin und Synchronie wichtige Voraussetzungen sind.

    Nachwuchssorgen
    Wer die Szene wie Pius Odermatt verfolgt, stellt bald einmal fest, dass die Zahl der aktiven Fahnenschwinger rückl.ufig ist. Ein Rückblick in die letzten Jahre bestätigt dies, denn in dieser Zeitspanne nahmen rund 70 Aktive an Ausscheidungen teil, heute sind es noch etwa 40 Fähnler. Bezüglich Nachwuchsförderung sind aber Bestrebungen im Gang, damit diesem «Spartenschwund» begegnet wird.

    «Jedä sett es Hobby ha»
    «Jeder Mensch braucht doch eine bereichernde Abwechslung zum Berufsalltag», sagt Pius Odermatt. Weiter sagt er: «Da spielt es keine Rolle, was für ein Hobby man ausübt, die Hauptsache ist, man ist zufrieden und glücklich dabei. Sollte es aber der Fall sein, dass jemand auf der Suche nach einem neuen Hobby ist, dann wäre Fahnenschwingen bestimmt einen Versuch wert.»

    Gemeinde Ennetbürgen

    Gemeinde

    Erfasst durch Nidwaldner Blitz

    Autor

    Otmar Näpflin


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