Wohnraum in Nidwalden: Die Nachfrage bleibt hoch, das Angebot knapp
Ein gut gefüllter Saal, aufmerksame Zuhörerinnen und Zuhörer und zahlreiche Fragen aus dem Publikum: Die Informationsveranstaltung «Bauen und Wohnen in Nidwalden» vom 2. September zeigte, wie stark das Thema die Bevölkerung beschäftigt. Expertinnen und Experten aus verschiedenen Fachgebieten erklärten die aktuelle Lage, zeigten Hintergründe auf und diskutierten mögliche Lösungen.
Gründe und Lösungen für die Wohnungsknappheit
Zum Auftakt begrüsste Jost Kayser, Direktionssekretär der Volkswirtschaftsdirektion, die Anwesenden. Er betonte, wie wichtig ausreichender und bezahlbarer Wohnraum für eine funktionierende Gesellschaft ist.
Martin Tschirren, Direktor des Bundesamts für Wohnungswesen, ordnete die Situation anhand der Leerwohnungsziffer ein. Sie zeigt, wie viele Wohnungen in einer Region leer stehen. Ist der Wert tief, trifft eine grosse Nachfrage auf ein knappes Angebot. Während der Wohnungsmarkt in Kantonen wie Jura oder Neuenburg vergleichsweise entspannt ist, liegt die Leerwohnungsziffer in Nidwalden (Stand: 1. Juni 2025) lediglich bei 0,68 Prozent.
Seit 2018 ist die Bautätigkeit zurückgegangen, während die Nachfrage hoch geblieben ist. Gründe dafür sind das Bevölkerungswachstum, die Zuwanderung von Arbeitskräften und kleinere Haushalte. Weil mehr Menschen allein oder zu zweit leben, steigt die Zahl der Haushalte und damit der Bedarf an Wohnungen. Gleichzeitig erschweren die Zinsentwicklung, begrenzte Bodenreserven, längere Verfahren und in Tourismusregionen das Zweitwohnungsgesetz den Wohnungsbau. Dort werden Erstwohnungen teilweise als lukrativere Zweitwohnungen verkauft und gehen damit für die einheimische Bevölkerung verloren.
Martin Tschirren stellte vier Massnahmen gegen die Wohnungsknappheit vor. Unternehmen, insbesondere aus der Tourismusbranche, können einen Beitrag leisten, indem sie Wohnraum für ihre Mitarbeitenden zur Verfügung stellen. Gemeinden können definieren, was als preisgünstiger Wohnraum gilt und entsprechende Vorgaben in der Nutzungsplanung verankern. Um Planungs- und Bewilligungsverfahren zu beschleunigen, nannte Tschirren zudem die Möglichkeit, den Kreis der einspracheberechtigten Personen und die zulässigen Einsprachegründe klarer einzugrenzen. Den vierten Baustein bilden kantonale Kredite, die dem gemeinnützigen Wohnungsbau einen zusätzlichen Schub verleihen sollen.
Nidwalden wächst und der Wohnflächenverbrauch steigt
Nidwalden ist in den vergangenen Jahrzehnten stark gewachsen. In 35 Jahren entstanden rund 5900 zusätzliche Wohnungen, während die Bevölkerung um etwa 7300 Personen zunahm. Gleichzeitig stieg der Wohnflächenverbrauch innerhalb von elf Jahren um sechs Prozent. Im schweizweiten Vergleich gehört Nidwalden damit zu den Kantonen, in denen besonders viel Wohnfläche beansprucht wird. Die Mietpreise sind entsprechend hoch.
Jost Kayser führte die hohen Preise jedoch auch auf den vergleichsweise neuen Gebäude- und Wohnungsbestand sowie die hohe Erwerbstätigkeit und das Vermögen der Bevölkerung zurück. Die angespannte Lage ist allerdings kein reines Nidwaldner Problem. Auch in den umliegenden Kantonen zeigt sich eine ähnliche Entwicklung. Zudem gibt es nicht «den einen» Nidwaldner Wohnungsmarkt. Die Situation unterscheidet sich je nach Gemeinde. Ebenso verschieden sind die Bedürfnisse von jungen Erwachsenen, Familien, älteren Menschen und Personen mit tieferen Einkommen.
Bezahlbares Wohnen als gemeinsame Aufgabe
Volkswirtschaftsdirektor Othmar Filliger erläuterte, mit welchen Ansätzen preisgünstiger Wohnraum geschaffen werden kann und wo im Kanton bereits entsprechende Wohnprojekte entstehen. Gemeinden können eigene Grundstücke und Liegenschaften dafür einsetzen oder sie Wohnbaugenossenschaften zur Verfügung stellen. Dafür braucht es einen klaren Rahmen: Die Gemeinden legen fest , was vor Ort als preisgünstig gilt und welche Bevölkerungsgruppen davon profitieren sollen. Klare Vorgaben können auch privaten Investoren Planungssicherheit geben und gleichzeitig wirtschaftliche Projekte ermöglichen.
Markus von Holzen, Amtsvorsteher des Amts für Raumentwicklung, zeigte das Spannungsfeld zwischen den Zielen der Raumplanung und dem Bedarf an neuem Wohnraum auf. Einerseits soll der Boden sparsam und mit hoher Qualität genutzt werden, andererseits wird rasch vielfältiger Wohnraum benötigt. Analysen zur Personen- und Gebäudedichte machen sichtbar, auf welchen Parzellen noch
Potenzial besteht. Da das Nidwaldner Baugesetz nur wenige Einschränkungen vorgebe, sei vor allem der politische Wille der Gemeinden entscheidend.
Schnellere und transparentere Verfahren
Therese Rotzer-Mathyer griff Tschirrens Ansatz auf und erläuterte, wie Planungs- und Bewilligungsverfahren beschleunigt werden können. Als Baudirektorin erklärte sie, dass Baugesuche verschiedene Fachstellen durchlaufen. Um Verzögerungen zu vermeiden, sollten die Gemeinden deshalb bereits vor der Weiterleitung an den Kanton prüfen, ob alle Unterlagen vollständig sind.
Das geplante digitale Baubewilligungsverfahren soll den Austausch zwischen Gemeinden und Kanton vereinfachen und für die Gesuchstellenden transparenter machen, wo sich ihr Baugesuch gerade befindet. Auch die frühzeitige Klärung zentraler Fragen könne Verzögerungen verhindern. Ganz vermeiden liessen sich diese jedoch nicht. Einsprachen werde es weiterhin geben, teilweise auch zu Recht.
Eine einfache Lösung für die Wohnungsknappheit gibt es nicht. Gefragt ist deshalb die Zusammenarbeit von Gemeinden, Kanton, Wohnbauträgern und Bevölkerung. Die Veranstaltung lieferte dafür wichtige Impulse und zeigte, dass Nidwalden die weitere Entwicklung mitgestalten kann. Die zahlreichen Fragen aus dem Publikum unterstrichen das grosse Interesse am Thema und machten deutlich, dass die Suche nach passenden Lösungen Nidwalden auch künftig beschäftigen wird.