Kunstwerke für die Älplerchilbi

Erstellt: 07. Oktober 2026
  • Früher, zu noch nicht motorisierten Zeiten, trug man oben am Berg die Milch der Kühe mittels Bränten vom Stall zur (nächsten) Käserei, um sie dort zu wunderbaren Käsen zu verarbeiten. Diese Rückentragegefässe mit Riemen und Deckel waren anfänglich aus Holz, später aus Metall und verfügten mit einem Fassungsvermögen von bis zu 100 Litern über ein stattliches Gewicht.

    Heutzutage dienen sie als beliebte Projektionsfläche zum Bemalen, Schmücken, Verzieren und sich zum drüber Amüsieren. Allerdings wird dieser Brauch von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich gehandhabt und ein Schelm, wer nun Böses dabei denkt.

    Beginnen wir in Maria-Rickenbach, wo die Älplerchilbi alle zwei Jahre gefeiert wird und die den Reigen der Älplerchilbis eröffnet. Die Bräntlibilder hier sind einfache, laminierte Zeichnungen oder Karikaturen über lustige Missgeschicke, die jemandem widerfahren sind. Sie werden von den beiden Fähndlern organisiert, von unterschiedlichen Personen angefertigt und auf die Bränten aufgeklebt, die von den beiden Butzis getragen werden. Nach der Chilbi dürfen die Fähndler die Zeichnungen behalten.

    Weiter geht’s nach Emmetten, wo man die Älplerchilbi ebenfalls alle zwei Jahre feiert. Zwar mit Bränten (bzw. Bräntlis, wie man dort sagt), aber, wie in Stans und Hergiswil auch, ohne Bräntlibilder drauf oder dran.

    Immer mit einem Augenzwinkern
    In Ennetbürgen findet die Chilbi auch im Zweijahresrhythmus statt. Hier gibt es zwei Bräntlibilder, wovon das eine morgens von dem einen Butzi und das andere nachmittags von dem anderen Butzi gezeigt wird. Andres Portmann fertigt sie seit vielen Jahren an. Sie zeigen jeweils einen Älplerspruch als Karikatur, der am Nachmittag in Reimform vorgetragen wird. Auch sie bilden auf humorige Weise ab, was in den letzten zwei Jahren jemandem aus dem Dorf widerfahren ist. Früher wurden die Bilder nach der Chilbi zugunsten der Älplerkasse versteigert. Heutzutage werden sie noch für eine gewisse Zeit im Materialraum aufgehängt, bevor sie dann entsorgt werden.

    In Buochs gibt es auch zwei Bräntlibilder. Auch hier wird eines am Vormittag, das andere am Nachmittag gezeigt. Mit Reisszwecken auf der Bränte befestigt stehen auch sie im Zusammenhang mit dem Älplerspruch und bilden gleichermassen schnitzelbankwürdig ab, was im vergangenen Jahr zu reden gab. Kari Achermann, in diesem Frühjahr leider verstorben, fertigte sie über gut 50 Jahre an. Wer nun in seine Fussstapfen tritt, ist noch offen. Seit 27 Jahren werden die Chilbikunstwerke archiviert.

    Bilder ohne Bränten
    In Wolfenschiessen werden die besten sechs Sprüche der beiden Schreiber in zum «Chässpruch» passenden Zeichnungen dargestellt, die ebenfalls lustige Geschehnisse, Pannen oder Missgeschicke wiedergeben. Hierfür werden in regelmässigen Abständen Künstler angefragt. Jeweils drei Zeichnungen werden auf zwei mit Süssigkeiten gefüllte Holzkisten angebracht, die die beiden Wildbutzis durchs Dorf tragen. Die Bilder werden im «Chässpruchheftli» abgedruckt und im Archiv für die nächsten Generationen aufbewahrt. Leider erst seit etwa zehn Jahren. Die meisten Kunstwerke vergangener Zeit sind unwiederbringlich weg.

    In Beckenried gibt es zwei Bränten, die jeweils von den beiden Butzis getragen werden. Früher kamen sie eher schlicht daher, trugen aufgeklebte Bilder und später Malereien auch von Begebenheiten, die sich im Dorf zugetragen hatten. Wer die ersten Bilder gefertigt hat, weiss man nicht. In den späten 1930ern nahm sich Alois Murer ihrer an und leitete eine Renaissance ein. Ab da kommen die Namen verschiedener Dorfkünstler ins Spiel.

    Das Wesentliche erfassen
    Seit nunmehr 20 Jahren ist Jolanda Näpflin-Dinkel die Frau an der Maltafel und hat bereits 40 Bräntlibilder in aufwendiger Detailtreue geschaffen. Sie zeigen die beiden Älplerhauptmänner mit dem, was sie hinsichtlich ihres Berufs, Interessen und Qualitäten ausmacht. Im vergangenen Jahr bestand ihre Herausforderung darin, ein Bräntlibild von ihrem Sohn Andrin anzufertigen.

    Nach der Chilbi schmücken die Bräntlibilder das Schaufenster vom Dorfbeck, bevor sie an die Stubenwände der Hauptmänner weiterziehen.

    Ein herzliches Dankeschön allen, die mit ihrem Wissen und Input an diesem Beitrag mitgewirkt haben. Wir wünschen allen eine schöne Chilbi.

    Gemeinde Stans

    Gemeinde

    Erfasst durch Nidwaldner Blitz

    Autor

    Bianca Kemke


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