Blitzgedanken – KW45

Erstellt: 04. November 2026
  • Da sind sie wieder gerannt. Von Luzern bis fast nach Alpnach und wieder zurück. Am Ende sind es genau 42195 Meter. Ein Marathon also. Immer mehr Menschen tun sich einen solchen Lauf an. Aber warum quält sich eine immer grösser werdende Zahl an Menschen 42 Kilometer lang, nur um am Ende eine Finisher-Medaille umgehängt zu bekommen? Die Organisatoren des Swiss-City Marathon liefern die Antwort. Es sind die sozialen Medien. 

    Dort wird einem erzählt, was für eine tolle und gesunde Challenge so ein Marathon ist. Sogenannte Gesundheitsgurus schwafeln einem vor, wie bereichernd nur schon das Training für diese Quälerei sei. Man könne sogar zu sich selbst finden und neue Horizonte eröffnen (natürlich nur dann, wenn man auch lebend das Ziel erreicht). Auf jeden Fall fange man an, sich selbst wahrzunehmen und merke dann auch schnell, dass der Körper genau jene Proteine braucht, die der Guru gerade in seinem Onlineshop anzubieten hat. Ist man von den «weisen» Worten erstmal weichgekocht, kauft man sich die total überteuerten Proteinbomben massenweise, obwohl man eigentlich weiss, dass man auch einfach ausgewogen essen könnte, um den gleichen Effekt zu erzielen. Auf jeden Fall bringt einen der Guru so weit, dass man denkt, man müsse jetzt unbedingt diesen Marathon bestreiten. 

    «Nach dreissig Kilometern hat man bereits mehr Fluchwörter neu erfunden, als der Marathon Kilometer hat.»

    Bestätigt wird man in seiner Erkenntnis von unzähligen Menschen in den sozialen Medien, die diese unglaubliche Erfahrung bereits erlebt haben wollen. Auf jeden Fall ist man dann am Start und denkt bereits das erste Mal ans Aufgeben. Spätestens nach zehn Kilometern merkt man, dass entweder das Training nicht richtig funktioniert hat oder die Proteinshakes irgendwie nicht richtig wirken. Nach zwanzig Kilometern möchte man ein erstes Mal weinen, tut es aber nicht, weil so viele Menschen zusehen. 

    Nach dreissig Kilometern hat man bereits mehr Fluchwörter neu erfunden, als der Marathon Kilometer hat. Bei Kilometer 38 will man eigentlich nur noch sterben. Aber entweder halten einen die Proteine am Leben oder es ist doch nicht so schlimm. 

    Zwei Kilometer vor dem Ziel denkt man gar nichts mehr. Man weiss nicht mal mehr, dass man noch existiert. Nach der Zielankunft reift die Erkenntnis relativ schnell, dass so ein Marathon unmöglich gesund sein kann. Und was tut man? Man meldet sich bereits am nächsten Tag für den Marathon im Folgejahr an. Was Proteinshakes mit einem Hirn so alles anstellen können – sehr interessant.

    Vereine Dallenwil

    Verein

    Erfasst durch Nidwaldner Blitz

    Autor

    Guido Laufforrest


    © 2026 Verlagsgesellschaft Nidwaldner Blitz AG