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Erfasst durch Nidwaldner Blitz
Autor
Christian Portmann, Präsident Gewerbe Buochs-Ennetbürgen
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Weiter zur RegistrierungAufmerksamkeit ist gerade schwer in Mode. Jeder möchte sie. Kunden, Mitarbeitende, Kinder, Partner, Social Media sowieso. Und gleichzeitig scheint sie immer knapper zu werden.
Vielleicht lohnt es sich gerade deshalb, einen Schritt zurückzutreten und zu fragen:
Was ist Aufmerksamkeit?
Der Begriff stammt vom lateinischen «attendere», was so viel bedeutet wie «sich zuwenden», «bei etwas verweilen». Aufmerksamkeit meinte ursprünglich nicht Effizienz oder Reizüberflutung, sondern Präsenz. Ich bin da. Mit Kopf, Herz und Haltung. Für einen Moment ganz fokussiert. Und genau dieses «im Moment sein» ist heute zur Herausforderung geworden.
Wir leben in einer Zeit, in der wir ständig erreichbar sind, aber immer seltener wirklich anwesend, eben «im Moment». In Kundengesprächen wandert der Blick aufs Display. Im Meeting sind alle da, aber innerlich schon beim nächsten Termin. Zu Hause hören wir zu, während wir gedanklich bereits beim nächsten Termin sind. Multitasking nennen wir das, dabei verliert aber die Aufmerksamkeit
Die Frage ist also nicht nur:
Wie aufmerksam sind wir heute?
Sondern auch: Wie lange halten wir Aufmerksamkeit überhaupt noch aus?
Denn Aufmerksamkeit braucht etwas, das im Alltag rar geworden ist: Ruhe, Fokus und Achtsamkeit. Die Bereitschaft, nicht sofort weiterzugehen. Das fällt uns schwer. Nicht weil wir es nicht können, sondern weil wir es uns abtrainiert haben.
Gerade im unternehmerischen Kontext ist das spürbar. Prozesse werden schneller, Entscheidungen kürzer, Gespräche funktionaler.
Effizient? Ja.
Beziehungstauglich? Nicht immer.
Aufmerksam? Ich denke nicht.
Dabei ist Aufmerksamkeit einer der stärksten Hebel überhaupt.
Für Ihr Gegenüber – ob Kunde, mitarbeitende Person oder Geschäftspartner – bedeutet Aufmerksamkeit:
Ich werde ernst genommen und gesehen.
Meine Sicht zählt.
Ich bin nicht nur eine Aufgabe, sondern ein Mensch.
Das gilt im Verkauf genauso wie in der Führung. Aufmerksamkeit schafft Vertrauen. Und Vertrauen ist bekanntlich keine weiche Währung, sondern ein harter Erfolgsfaktor.
Hat Aufmerksamkeit also an Bedeutung verloren?
Im Gegenteil. Sie ist zur stillen, fast vergessenen Differenzierung geworden.
In einer Welt, in der alle senden, fällt der auf, der empfängt. Ja, sogar aktiv zuhört. In einer Zeit, in der alles schnell gehen muss, bleibt der in Erinnerung, der sich Zeit nimmt. Aufmerksamkeit ist kein Nice-to-have, sie ist ein strategischer Vorteil. Für Unternehmen genauso wie für Beziehungen im privaten Umfeld.
Aufmerksamkeit lässt sich wieder lernen. Nicht über grosse Massnahmen, sondern über kleine, bewusste Entscheidungen im Alltag.
Zum Beispiel so:
Ein Gespräch ohne Bildschirm. Schon fünf Minuten geteilter Aufmerksamkeit wirken stärker als eine Stunde nebenbei.
Zuhören ohne Lösung im Kopf. Nicht jede Aussage braucht sofort eine Antwort. Manchmal reicht Verständnis und einfach präsent sein.
Pausen aushalten. Stille ist kein Leerlauf, sondern Denkraum.
Präsenz zeigen. Blickkontakt, Haltung, echtes Interesse – das spürt man sofort.
Eigene Aufmerksamkeit pflegen. Wer permanent im Aussen reagiert, verliert im Innern die Orientierung.
Aufmerksamkeit beginnt bei uns selbst. Wer sich keine Zeit für Klarheit nimmt, wird sie anderen schwer schenken können. Vielleicht ist das die eigentliche Herausforderung unserer Zeit: nicht mehr zu tun, sondern bewusster da zu sein.
Denn am Ende bleiben keine perfekt formulierten E-Mails, keine sauberen Präsentationen und keine optimierten Prozesse in Erinnerung.
Was bleibt, ist das Gefühl, gesehen worden zu sein.
Und das ist – geschäftlich wie privat – oft der entscheidende Unterschied.
Ich wünsche Ihnen eine Woche voller Aufmerksamkeit. Für sich und für das Gegenüber. Vergessen Sie Multitasking, sondern schaffen Sie Aufmerksamkeit für diese eine Sache.
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